Seid nett zueinander!

Neulich lief ich abends gerade aus dem Bahnhofsfoyer, etwas gestresst, mit lauter Musik auf den Kopfhörern, als ein junger Mann auf mich zukam. Er sah sehr nett aus, lächelte mich an und ich nahm meine Stöpsel aus den Ohren, da ich davon ausging, dass er mich nach dem Weg fragen wollte. Doch dann die Überraschung. Er sagte zu mir nur einen Satz: „Du bist wunderschön.“, lächelte mich nochmal an und ging weiter. Perplex wie ich war, grinste ich nur vor mich hin, stöpselte meine Ohren wieder zu und ging weiter.

Eine kleine Geste, ein kurzer Satz, ein aufmunterndes Lächeln, all das kann uns den Tag versüßen. Wie oft reden wir mit unseren Freunden über Leute die vorbei laufen und die wir schön, interessant, faszinierend, verrückt oder lustig finden? Ich meinerseits fast täglich. Und eigentlich sollten wir viel öfter anderen Menschen mitteilen, dass wir etwas schön, besonders oder einfach toll an ihnen finden. Dir tut es nicht weh und vielleicht trägst du dazu bei, dass sich ein richtig mieser Tag für jemand anderen doch noch in einen schönen Tag verwandelt.

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Der Vibe

Small-Talk ist die Grundlage eines jeden Gesprächs, insbesondere wenn wir neue Menschen kennen lernen. Wir checken aus, wie unser Gegenüber so tickt, was ihm gefällt und was nicht und wie sein Leben so gestaltet ist. Ziemlich schnell merken wir dabei, ob wir mit jemandem gerne viel Zeit verbringen möchten oder wir auf weitere Treffen gerne verzichten. Im Neudeutsch unsere Generation sprechen wir dabei von dem sogenannten „Vibe“. Das sind Wellen und Schwingungen die uns von anderen Menschen entgegenschwappen und dem möchte ich mich mal genauer widmen. Was macht denn dieser Vibe mit uns? Warum ist es so wichtig, dass wir mit unseren Freunden auf dem selben Vibe sind? Und was passiert, wenn sich die Vibes auf einmal verändern?

Vibes stelle ich mir bildlich wie Sinus-Kurven in der Mathematik vor. Dabei gibt es größere und kleinere, höhere und niedrigere Wellen aber manchmal auch Funktionen, die immer höher oder enger werden, vielleicht aber auch gar keine Gleichmäßigkeit entwickeln und eher aussehen wie der DAX.

In unserem Freundeskreis treffen meistens viele verschiedene Vibes aufeinander. Von manchen können wir profitieren und uns gegenseitig ergänzen. Bei anderen lernen wir viel über uns selber und mit welchen Eigenschaften unsere eigenen Kurven nicht ganz so gut harmonieren. Und langsam wird uns auch bewusst, mit welchen Schwingungen wir auf Dauer gut harmonieren und zu welchen wir lieber Abstand möchten. Ein Beispiel für eine regelmäßige, nicht allzu große Kurve wäre eine junge Frau, Anfang 20, sitzt gerade an ihrem Bachelor und arbeitet nebenbei in einem Medien Start-Up. Ab und zu geht sie mal was mit Freunden trinken, auf ein Konzert oder ins Kino, aber über die Stränge schlagen wird sie eher nicht.  Im Gegensatz dazu stünde ein junger Mann, der eigentlich Bauingenieur ist, Teilzeit arbeitet, gerne auf Elektro-Parties tanzt, in seiner Freizeit Portraits von Freunden schießt und sich gerne mal Bühnenkonzepte für Mozart-Opern ausdenkt, sämtliche Magazine über Mode, Ernährung und Fitness ließt sowie jeden zweiten Tag im Fitnessstudio verbringt und am Wochenende am See entspannt und mindestens einen Club von innen gesehen haben muss.

Beide Personen sind miteinander befreundet, da sie sich im Bereich Mode auf demselben Level befinden und einen gemeinsamen Freundeskreis haben. Aber irgendwann kommt ein Punkt, an dem die beiden auseinander gehen. Nicht einmal eines großen Streits oder weil jemand wegzieht. Sondern viel eher, weil sie merken, dass die Vibes nicht deckungsgleich sind. Man will unterschiedliche Dinge vom Leben und manch einer findet seine Regelmäßigkeit früher oder später, andere suchen erst gar nicht danach. Wessen Kurve nicht gleichmäßig verläuft wird von der Gesellschaft oft als unnormal wahrgenommen. Du kündigst deinen Job um eine Weltreise zu machen? Das ist aber verrückt. Du bist 18 und träumst davon, Fußballprofi zu werden? Such dir doch was, wo du mehr Sicherheiten hast. Du willst zum Film? Hast du dir das auch gut überlegt? Seit wann trägst du bauchfrei? Stark ausgeprägte, unregelmäßige Vibes kommen in der Gesellschaft an wie nicht lösbare Gleichungen in der Mathematik: Nicht gut.

Ich schätze in den 20ern verändern sich unsere Kurven am meisten. Manche werden größer, manche kürzer, andere haben große Ausschläge nach oben und unten. Und in genau diese Phasen ist es wichtig, Menschen mit ähnlichen Amplituden um uns herum zu haben. Menschen, die verstehen, wenn die y-Achse eigentlich gerade zu kurz für uns ist, wir auch mal für ein paar Tage unter Null sind oder irgendein kleiner Troll auf unserem Vibe gerade Achterbahn mit einem Vorschlaghammer fährt. Das bedeutet aber auch, dass Menschen, deren Kurven gerade nicht zu der Unseren passen, vielleicht verblassen oder zeitweise auch ganz verschwinden. Das zu verstehen und anzunehmen ist schwer, denn Menschen los zu lassen und einzusehen, dass man gerade etwas anderes braucht ist emotional eine wahnsinnige Herausforderung. Schluss machen in Freundschaften ist mindestens genauso schmerzhaft wie Liebesbeziehungen zu beenden.

Am Ende stehen wir jedoch mit unserem Vibe alleine da. Deinen eigenen Graphen kennst du selbst am besten. Wenn das zum momentanen Zeitpunkt noch nicht der Fall ist, solltest du zumindest versuchen, irgendwann eine Idee davon zu bekommen. Es ist so wichtig, auf sich selbst zu hören, seine eigenen Schwingungen zu kennen und zu akzeptieren (!). Denn erst dann können wir auschecken, welchen Spielraum uns die eigenen Kurven lassen um Kompromisse mit anderen Vibes zu schließen. Die bunte Vielfalt, das Kreuz und Quer und Zickzack übereinander machen doch erst den Reiz aus, den die Welt uns zu bieten hat. Man muss nur wissen, wo man sich selbst in dem ganzen Kuddelmuddel wiederfindet.

 

Und plötzlich warst du da

 

An einem warmen Tag im Sommer war es plötzlich anders.

Du hast den Arm auf dem Weg zur Bar um meine Schulter gelegt.

Später hast du mir erzählt, dass genau dieser Tag der Zeitpunkt war an dem du entschieden hast, dass wir Freunde werden sollen.

Richtige Freundschaft.

Jetzt erst weiß ich, dass ich das vorher nie hatte. Freunde waren vorübergehend. Mentale Verbindung: Fehlanzeige. Dass von meinem Gegenüber die Initiative für Unternehmungen ergriffen wird: nicht vorhanden. Dass sich auch mal um mich gekümmert wurde: brauchte man nicht, denn ich hab ja immer geschwiegen.

Ich musste arbeiten für „Freunde“. 80% von mir, 20% von dem Anderen.

Bis jetzt.

Eine Beziehung, gegenseitige Liebe und Respekt. Loyalität. Füreinander da sein.

Ich hab meine Gefühle für dich zuerst verwechselt. Mit körperlicher Liebe, Anziehung, Sex, die andere Beziehung eben, denn Freundschaft kannte ich ja nicht.

Aber du hast dich so nie für mich interessierst.

Und ich bin froh, dass ich falsch lag.

Diese Beziehung ist viel tiefer, besser, größer, schöner.

Eine Verbindung für´s Leben, obwohl wir noch so jung sind. Irgendwoher weiß ich das.

Du bist immer für mich da, ich immer für dich.

Wir raven Nächte durch in Clubs die niemand kennt. Wir probieren Drogen aus und reden über die intimsten Details unseres Sexlebens. What`s App Nachrichten schreiben wir wie ein altes Pärchen. Unsere Außenwelt nimmt uns manchmal auch so wahr. Mit einem besonderen „Tick“. Wir diskutieren wild, finden heraus was wir wollen, mit dem Leben anfangen sollen, wohin unsere Reise geht. Sagen uns ehrlich die Meinung und brauchen nichts verschönern.

Vertrauen. Eine neue Erfahrung für mich.

Sich auf jemanden verlassen können. Dazu braucht es Mut.

Ich hab ihn gefunden.

Und auch wenn du nicht immer da bist so bist du es doch.

Ich fühl mich wohl, kann mich fallen lassen. Du bist ein Geschenk. Ich hoffe, das jeder so eins mal bekommt.

Ganz plötzlich ist das passiert. Und seitdem bist du in meinem Leben.

Du bist mein bester Freund.

Ode an die Freundschaft

Blumen können nicht blühen ohne die Wärme der Sonne. Menschen können nicht Mensch werden ohne die Wärme der Freundschaft. – Phil Bosmans

Es wird cheesy. Ich sage nichts Neues wenn ich behaupte, dass Freundschaften etwas Wundervolles sind. Freunde sind die Menschen die uns neben der Familie durchs Leben begleiten, die wir uns aber im Gegensatz dazu aussuchen können.

Die ersten Freunde gibt´s im Kindergarten. Wir nehmen das erste Mal die anderen Kinder um uns herum richtig wahr und probieren aus, mit wem wir zusammen passen und wen wir auf den Kindergeburtstag einladen. Wir lernen mit ihnen Fahrrad fahren, buddeln im Sandkasten nach Goldschätzen und fangen Frösche im Bach. Wir entdecken die Welt mit ihnen. Die beste Freundin bleibt auch eigentlich immer die beste Freundin, bis auf die Zeiten, wo wir sie hassen und unserer Mama erzählen, dass wir sie total doof finden und sie nie wieder sehen wollen.

In der Pubertät sind Freunde dann wie Statussymbole. Wir wollen cool sein, müssen uns vor uns selbst und den Eltern beweisen wie groß wir schon sind und vor allem das andere Geschlecht beeindrucken. Brüste und Haare wachsen und Jungs sind auf einmal nicht mehr nur Spielzeugfreunde sondern total doof oder bringen uns zum kichern, wenn sie auf einmal mit uns reden. Wir tuscheln in der Clique und tauschen den neuesten Tratsch aus, gehen zusammen shoppen und hängen am Wochenende im Partykeller von angesagten und vor allem älteren Leuten ab, wo wir auch gemeinsam unsere ersten Alkoholerfahrungen sammeln und heimlich in der Toilette das erste Mal jemanden küssen.

Wirklich wichtig werden Freunde aber dann, wenn man wegzieht. Fort von zuhause, allein in eine neue Stadt, mit einem Studienplatz aber ohne Lebensplan und ohne jegliche soziale Kontakte. Jetzt kommt es darauf an aktiv zu werden, Hobbies zu finden und im Studium mit den richtigen Leuten was anzufangen. Auf Erstie-Parties, über die WG-Mitbewohner oder auch über Tinder lernt man erstmal Leute kennen und über die dann noch Weitere, so lange bis man irgendwann das Gefühl hat, dass es Klick gemacht hat.

Doch es ist alles anders als vorher. Man baut keine Sandburgen mehr zusammen, flechtet sich nicht mehr gegenseitig die Haare oder spielt im Baumhaus. Man muss erstmal von null anfangen. Im Leben herrscht auf einmal eine andere Hierarchie der Dinge und wir brauchen Menschen, die diese Dinge mit uns erforschen, mit denen wir wachsen können und mit denen wir gemeinsam in die Selbstständigkeit starten können. Haushalt führen, Ämter besuchen und irgendwie Job und Studium unter einen Hut bringen während man sich nebenbei mal so richtig doll verknallt: niemand schafft das allein. Menschen sind Rudeltiere und das bedeutet: Wir sind füreinander da. Auch wenn Freundschaften oft mühsam sind, viel Pflege verlangen und teilweise auch harte Arbeit bedeuten: Es lohnt sich. Die Freunde die wir jetzt finden, die halten richtig was aus und haben auch das größte Potential für immer im Leben zu bleiben. Sie halten uns einen Spiegel vors Gesicht der uns ganz unbarmherzig zeigt, wie wir sind. Sie kommen nachts um drei mit einer Flasche Wein vorbei wenn wir, weshalb auch immer, am Boden zerstört sind. Sie drücken dich ganz fest wenn es dir schlecht geht und schreien dich an, wenn du Mist baust. Aber du hast sie ausgesucht und das nicht ohne Grund. Sie machen dein Leben komplett und helfen dir bei den Dingen, die du alleine nicht kannst. Wir lieben unsere Freunde und das von ganzem Herzen. Um sie sollten wir uns genauso gut kümmern wie um jede andere (Liebes-)Beziehung auch. Sie machen uns menschlich und sind unsere Familie bis wir irgendwann eine eigene gründen. Danke, dass es euch gibt 🙂